Spielvorstellung: Lienzo – Ein spannendes Spiel über Geschichte und Geschichtsvermittlung

header_LienzoWenn Computerspiele historische Ereignisse als Vorlage verwenden oder Bezüge mit diesen herstellen, kommt es häufig in der Diskussion um diese Spiele zu folgenden Fragen: Wie werden historische Ereignisse innerhalb des Spiels dargestellt? Inwieweit sind die geschilderten Ereignisse fiktional oder historisch belegt? Welche Aussagen treffen diese Spiele über die dargestellte Vergangenheit, beziehungsweise wollen diese Spiele überhaupt eine Aussage treffen? Ist Geschichte in Computerspielen nur als Staffage oder auch für die Vermittlung von Geschichte interessant?

Die Geschichtsdarstellung in Computerspielen wird auch von Historikern untersucht. Eine weitere spannende Frage wäre doch: Was passiert, wenn Historiker ein Computerspiel entwickeln?

Einen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage will das „Lehr-Lern-Projekt Lienzo“ leisten, welches am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entstand. Das (vorläufige) Ergebnis dieses Projekts ist das von Historikern und Studierenden realisierte Strategiespiel „Lienzo – ¡Conquista América Central!“, welches seit kurzem als kostenloser Download angeboten wird.

Die Spielenden haben als Conquistador im Jahr 1520 die Aufgabe, mit einer Armee aus spanischen Soldaten und indigenen Verbündeten eine Provinz in Guatemala für die spanische Krone zu erobern. Die Prämisse des Spiels klingt schon im Namen an – das Spielfeld bildet eine idealisierte Landkarte, welche den Lienzos, zeitgenössischen Dokumenten, nachempfunden ist. Diese Lienzos dienten den Ureinwohnern Guatemalas gleichzeitig als Landkarte und Chronik. Die Bildsprache und Darstellungsweise dieser Quellen wurde für die grafische Darstellung des Spielfelds übernommen. Im Laufe des Spiels entsteht durch die Handlungen und Taten des Spielers sozusagen ein eigener Lienzo, der sich am Ende des Spiels auch als Bilddatei speichern oder ausdrucken lässt. Neben dem eigentlichen Spielspaß, soll mit Hilfe dieses Computerspiels auch die Auseinandersetzung mit dieser anderen Art der Geschichtsschreibung durch die indigenen Quellen angestrebt werden. Für den Spielablauf heißt das, dass der Spieler oder die Spielerin sich zunächst auf dem mit unbekannten Symbolen bestückten Spielfeld zurechtfinden muss. Per Mausklick navigiert man eine einzelne Spielfigur, welche die gesamte Armee darstellt, rundenweise über die Karte. Trifft man auf Städte oder Siedlungen, kommt es zunächst zu diplomatischen Verhandlungen. Hierbei ist dem Spieler oder der Spielerin überlassen, ob man am Ende vielleicht doch nur Handel treibt und behutsam neue Verbündete sucht oder es direkt zum Kampf kommt. Hierbei sollte man auch seinen Nahrungs- und Waffenvorrat nicht aus den Augen lassen.

Es lohnt sich das Spiel einmal auszuprobieren!

Das Spiel zum Download und ausführliche Informationen finden sich auf der Projektseite (Link). Besonders lesenswert ist außerdem der Beitrag zum Spiel (Link) auf dem Blog des Arbeitskreises für Geschichtswissenschaft und Digitale Spiele, welcher einen interessanten Einblick in die Entwicklung des Spiels gibt.

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